Home > Blog > Eintritt in eine neue Welt – Teil 3: Urlaub und Arbeitszeit

Na, kennst Du sie noch alle – Deine Rechte und Pflichten in der Ausbildung? Wir haben Dir versprochen, ausführlich die Themen „Urlaub“ und „Arbeitszeit“ zu erklären. Bist Du bereit? Los geht’s!

Urlaub

2015_0806_Urlaub u ArbZeit 1Der Europäische Gerichtshof definiert den Urlaub, der korrekterweise Erholungsurlaub heißt, wie folgt:

„Erholungsurlaub ist die wichtigste Form des gesetzlich geregelten Urlaubs. Der Erholungsurlaub hat den Zweck, es dem Arbeitnehmer zu ermöglichen, sich zu erholen und über einen Zeitraum für Entspannung und Freizeit zu verfügen.“

Was bedeutet „sich erholen“? Es heißt, dass Du während Deines Erholungsurlaubes keine anderen Arbeiten, wie z. B. Nebenjobs, Bedienen auf dem Oktoberfest o. ä., ausüben darfst. Also Arbeiten gegen Entgelt. Wenn Du in Deinem Garten Unkraut jätest, Dein Fahrrad reparierst oder Deinen Umzug erledigst, ist das natürlich erlaubt.

Aber wie viel Urlaubstage stehen Dir denn jetzt zu?

Es gibt in Deutschland zwei Gesetze, die den Urlaub regeln. Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) für alle Arbeitnehmer und Azubis ab 18 Jahre und das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) für alle bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres.

Wenn Du bereits 18 Jahre alt bist, stehen Dir gesetzlich mindestens 24 Werktage (also die Tage von Montag bis einschließlich Samstag) zu. Kurz gesagt: 4 Wochen

Bist Du noch nicht 18 Jahre alt, sieht das Jugendarbeitsschutzgesetz Staffelungen vor:

  • mindestens 30 Werktage, wenn Du zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt bist,
  • mindestens 27 Werktage, wenn Du zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 17 Jahre alt bist,
  • mindestens 25 Werktage, wenn Du zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 18 Jahre alt bist.

Ein kleines Rechenbeispiel:
Du feierst am 16.05. des Urlaubs- und Kalenderjahres (z. B. 2015) Deinen 17. Geburtstag. Somit warst Du am 01.01.2015 zu Beginn des Urlaubsjahres noch nicht 17 Jahre alt und Du hast 27 Werktage Urlaubsanspruch.

Die beiden Gesetze sprechen Mindestanforderungen aus. Dies bedeutet, dass Dir mindestens diese Urlaubstage zustehen. Mehr darf Dir Dein Ausbildungsbetrieb immer gewähren.

Oft ist der Urlaubsanspruch auch in sog. „Tarifverträgen“ geregelt. Die Urlaubstage sind hier meist höher als der gesetzliche Mindestanspruch.

 

Arbeitszeit

2015_0806_Urlaub u ArbZeit 2Auch dieses Recht ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Richtig, das eine Gesetz ist wiederum das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), wenn Du noch nicht 18 Jahre alt bist. Wenn Du bereits 18 Jahre alt bist, gilt für Dich das Arbeitszeitgesetz (ArbZG).

 

Du bist noch nicht 18 Jahre alt? Dann gelten folgende Regeln:

  • Du darfst täglich nicht mehr als 8,5 Stunden arbeiten, wenn an einem anderen Wochentag dafür weniger Stunden gearbeitet werden (z. B. am Freitag nur 6 Stunden).
    Wird an allen Tagen gleich viel gearbeitet, darfst Du maximal 8 Stunden arbeiten.
  • Du darfst nicht mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten.
  • Die Hin- und Rückfahrt zur Ausbildungsstätte zählt nicht zur Arbeitszeit.
  • Überstunden gibt es für Jugendliche nicht.
  • Du hast Anspruch auf Pausen von mindestens 15 Minuten während Deiner täglichen Arbeitszeit. Beachte dabei, dass die Pausen nicht zur Arbeitszeit zählen sondern hinzugerechnet werden.
    Beispiel: Du arbeitest von 08:00 Uhr bis 12:00 Uhr, machst 1 Stunde Pause und arbeitest von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr weiter. Somit bist Du insgesamt 9 Stunden im Betrieb, reine Arbeitszeit hast Du jedoch 8 Stunden.
  • Du hast Anspruch auf 60 Minuten Pause, wenn Du mehr als 6 Stunden täglich arbeitest und Anspruch auf 30 Minuten Pause, wenn Du mindestens 4 und maximal 6 Stunden arbeitest.
  • Nach der täglichen Arbeitszeit hast Du Anspruch auf 12 Stunden Freizeit.

Daneben gibt es noch viele weitere Regelungen für Nachtarbeit, Schichtzeit usw. Alle genauen Bestimmungen findest Du in Abschnitt 3 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG).

Ich bin 18 Jahre alt – und nun?

Wenn Du 18 Jahre alt bist, gelten für Dich folgende Bedingungen zur Arbeitszeit:

  • Du darfst grundsätzlich nur 8 Stunden pro Werktag (also von Montag bis einschließlich Samstag) arbeiten. Es sind aber gegen Ausgleich innerhalb einer bestimmten Frist bis zu 10 Stunden pro Werktag erlaubt. Das wird meist als „Überstunden“ in den Betrieben bezeichnet, die Du dann nach und nach „abbummeln“ kannst. Aber bitte: Vorher genehmigen lassen, ok?
  • Die Hin- und Rückfahrt zur Ausbildungsstätte ist keine Arbeitszeit.
  • Du hast einen Pausenanspruch von mindestens 30 Minuten, wenn Du bis zu 9 Stunden täglich arbeitest.
  • Nach der täglichen Arbeitszeit hast Du Anspruch auf 11 Stunden Freizeit.

Es gibt auch hier Ausnahmen für bestimmte Branchen, Sonn- und Feiertage oder außergewöhnliche Fälle. Lies gerne hier im Arbeitszeitgesetz (ArbZG) nach.

Nun alles klar zum Thema Urlaub und Arbeitszeiten? Das freut mich! Falls nicht, scheue Dich nicht, Deine Fragen zu stellen!