Home > Blog > Ein bisschen zu spät ist viel zu spät

Dieses alte, deutsche Sprichwort sagt alles aus. Zu spät kommen in der Ausbildung hat für Dich als Azubi Folgen: von Abmahnung bis Verlust des Ausbildungsplatzes ist alles drin. Viele Ausreden haben mir meine Azubis schon aufgetischt. Ohne Folgen blieb das dauernde Zu-spät-kommen jedoch meist nicht…

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Auszug aus dem Ausbildungsvertrag

In Deinem Ausbildungsvertrag sind Rechte und Pflichten festgelegt. Zu Deinen Pflichten gehört es, pünktlich in Deinem Betrieb und in der Berufsschule zu erscheinen. Das ergibt sich aus dem Ausbildungsvertrag unter § 4 „Pflichten des Auszubildenden“. In Ziffer 3 und 4 bist Du verpflichtet, den Weisungen Deiner Vorgesetzten zu folgen und die betriebliche Ordnung zu beachten.

Dein/e AusbilderIn oder der/die Ausbildungsbeauftragte kann Dir also sagen, wann Du am nächsten Tag oder in den nächsten Wochen Deine Arbeitszeit beginnst und wann diese täglich endet. Natürlich alles im Rahmen der jeweiligen Gesetze, wie z. B. das Jugendarbeitsschutzgesetz, wenn Du noch nicht 18 Jahre alt bist. Mit „Betrieblicher Ordnung“ ist gemeint, dass es im Ausbildungsbetrieb feste Arbeitszeiten oder Gleitzeitregelungen gibt, an die Du Dich halten musst.

Welche Folgen kann es für Dich haben?

Azubi-Gespräche mit Deinem Ausbilder

Mein Weg ist es, zuerst einmal gemeinsam mit dem Azubi zu sprechen. Dein AusbilderIn wird mit Dir analysieren, warum Du laufend zu spät kommst. Dich können in diesem Gespräch z. B. diese Fragen erwarten:

  • Wie hast Du Dich organisiert, damit Du pünktlich kommen kannst?
  • Hast Du keine Lust mehr auf den Beruf oder den Betrieb?
  • Fühlst Du Dich über- oder unterfordert?
  • Hast Du Schwierigkeiten in der Azubi-Gruppe oder in der Ausbildungsabteilung?
  • Belasten Dich private Sorgen und Nöte?
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Schöne Ausreden…

Mein Tipp für Dich:
Beantworte die Fragen absolut ehrlich! Deinem Ausbilder ist daran gelegen, eine Lösung mit Dir zu finden. Sonst würde er/sie sich die Zeit für ein Gespräch nicht nehmen.

 

 

Abmahnung

Wenn Du im Gespräch nicht ehrlich warst oder es nicht geschafft hast, an der Problemlösung „Zu-spät-Kommen“ erfolgreich mitzuwirken, wird der nächste Schritt eine Abmahnung sein.

Was ist eine Abmahnung? Stell Dir eine Abmahnung wie eine „Gelbe Karte“ im Fußball vor. Sie soll Dir zeigen, dass Du Fehlverhalten an den Tag legst, das Dein Betrieb auf Dauer nicht akzeptieren wird.

Was passiert nach einer Abmahnung?

Für Deinen Betrieb ist es nicht ganz so einfach, das Ausbildungsverhältnis zu kündigen. Unmöglich ist es aber auch nicht. Zu diesem Thema berichte ich später ausführlich.

Deine Abmahnung wird allerdings in Deiner Akte verbleiben und z. B. eine spätere Übernahme als Fachkraft verhindern. Denn kein Betrieb möchte eine Fachkraft einstellen, die bereits in der Ausbildung unzuverlässig war.

Bist Du noch in der Probezeit (ein bis vier Monate), kann Dir Dein Ausbildungsbetrieb ohne Einhaltung einer Frist und ohne Angabe von Gründen kündigen. Das wäre bitter, denn dann ist der Ausbildungsplatz von einem auf den anderen Tag weg.

Was kannst Du tun, künftig pünktlicher zu sein?

Überprüfe für Dich selber Deine Organisation:

  • Schläfst Du ausreichend? Gehst zu rechtzeitig zu Bett?
  • Sind Deine Wecker / Weckgeräte funktionsfähig und richtig eingestellt (z. B. Sommer- / Winterzeit)?
  • Hast Du Deine Unterlagen / Arbeitskleidung schon am Vorabend bereitgestellt?
  • Liegen Schlüssel und Fahrkarten bereit?

Denke immer daran:
Pünktlich ankommen heißt, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen.

Wenn es nicht an Deiner Organisation liegt, solltest Du kritisch die Faktoren hinterfragen, die auch Dein Ausbilder mit Dir überprüfen wird: Richtiger Beruf, richtiger Betrieb, persönliche Konflikte usw.

Und nun: Viel Erfolg beim künftig Pünktlich-sein!

P.S.: Und wenn Du doch einmal verschlafen hast, kannst Du Deinen Ausbilder auch einmal zum Schmunzeln bringen, das ist erlaubt! Hier findest Du kreative Beispiele.