Home > Blog > Eintritt in eine neue Welt – Teil 2

In unserem letzten Beitrag haben wir Dir Deine Pflichten genauer erläutert. Aber als Azubi hast Du natürlich auch Rechte, die Du kennen solltest.

Wir zeigen Dir heute, welche Rechte Du hast und was sie im Einzelnen bedeuten.

2015_0804_Rechte Azubi 11. Ausbildungsziel erreichen

Dein wichtigstes Recht ist, dass Dein Betrieb Dich so einsetzt, damit Du Dein Ausbildungsziel erreichen kannst. Zum einen bedeutet dies, dass Du nur Arbeiten ausführen sollst, die Deinem Berufsbild zuzuordnen sind. Nein, das bedeutet nicht, dass Du das Büro oder die Werkstatt unaufgeräumt hinterlassen darfst! Das gehört zu Deinem Berufsbild mit dazu.

Daneben bedeutet es, dass Deine Ausbilder Dich so anleiten und fachlich betreuen müssen, dass Du alle Tätigkeiten Deines Berufes zum Abschluss der Ausbildung alleine ausführen kannst. Du hast das Recht, dass Dich qualifizierte Fachbetreuer unterweisen.

2. Freistellung für Ausbildungsmaßnahmen und für Prüfungen

Dein Betrieb muss Dich für den Berufsschulunterricht freistellen und kann von Dir nicht verlangen, dass Du anstelle des Berufsschulunterrichtes im Betrieb arbeitest. Aber hier gibt es ein paar Feinheiten, die Du als minderjähriger Azubi wissen sollst: Der Berufsschulunterricht muss vor 9 Uhr beginnen, damit die Freistellung gilt. Wenn Dein Berufsschultag mehr als fünf Unterrichtsstunden (zu je 45 Minuten) umfasst, also mindestens sechs Unterrichtsstunden, darfst Du nicht beschäftigt werden. Allerdings gibt es auch hier wieder eine Ausnahme. Die genauen Regelungen findest Du im Jugendarbeitsschutzgesetz.

Auch für alle sonstigen vorgeschriebenen Ausbildungsmaßnahmen muss Dich Dein Ausbildungsbetrieb freistellen.

Zudem muss Dein Betrieb Dich für die Zwischen- und Abschlussprüfungen freistellen. Die Freistellung gilt jedoch nur für die Prüfungszeit einschließlich der Pausen. Davor oder danach kann Dich Dein Betrieb zum Arbeiten einteilen. In der Praxis wird das eher selten der Fall sein. Denn mal ganz ehrlich: Wer kann sich an so einem wichtigen Tag auf die Arbeit konzentrieren? Das macht für Ausbildungsbetriebe keinen Sinn.

Wenn Du zur Abschlussprüfung übrigens noch nicht 18 Jahre alt bist, muss Dich Dein Betrieb auch einen Tag vor der schriftlichen Abschlussprüfung freistellen.

3. Angemessene Vergütung

2015_0804_Rechte Azubi 2Ja – aber was ist das denn? Es gibt hier keine konkreten Zahlen, die wir Dir hier nennen können. Oft wird nach Tarifvertrag vergütet oder es wird ein Tarifvertrag als Anhaltspunkt herangezogen. Deine Vergütung ist in jedem Falle auch während der Berufsschulphase, während des Urlaubs und bei Krankheit (bis zu 6 Wochen) vom Betrieb weiterzuzahlen.

Wenn Du nicht sicher bist, ob Deine Vergütung angemessen ist, findest Du beim Bundesinstitut für Berufsbildung Orientierungshilfen.

4. Kostenlose Ausbildungsmittel

Köche tragen Arbeitskleidung, Fachlageristen müssen Sicherheitsschuhe tragen und Maurer tragen Schutzhelme. All das sind Arbeitsmittel, die Du für das Erlernen Deines Berufes tragen musst und brauchst. Dein Ausbildungsbetrieb muss Dir diese kostenlos zur Verfügung stellen. Er darf von Dir nicht verlangen, dass Du dies selbst bezahlst. Ausnahmen sind Sicherheitsschuhe, die Du aus modischen Gründen tragen möchtest, obwohl Dir Dein Arbeitgeber Sicherheitsschuhe zur Verfügung stellt.

Auch für Büro- und Verwaltungsberufe musst Du Deine Kleidung selbst kaufen. Da Du diese auch in der Freizeit tragen kannst, wird diese Kleidung nicht als Arbeitskleidung anerkannt.

Weiter zählen zu den Ausbildungsmitteln Büroeinrichtungen und Bürotechnik (z. B. PC, Drucker, Kopierer), Maschinen und Geräte und Programme (z. B. bestimmte Branchensoftware).

5. Anspruch auf ein Zeugnis

certificateNach abgeschlossener Ausbildung hast Du das Recht auf ein Zeugnis. Dein Ausbildungsbetrieb ist verpflichtet, Dir ein einfaches Ausbildungszeugnis auszustellen. Darin steht, welchen Beruf und welche Fertigkeiten Du erlernt hast.

Wir empfehlen Dir ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis. Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich die Beurteilung Deiner Leistung und Deines Verhaltens im Betrieb. Das ist weitaus aussagekräftiger und hilft Dir, besser eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Was   ist mit Urlaub? Die Arbeitszeiten? Das erklären wir Dir in den nächsten Tagen in einem extra Beitrag, weil es sehr umfangreich ist.

Wir hoffen, Du hast jetzt den Durchblick bei Deinen Rechten und Pflichten als Azubi. Denke dabei immer an den Grundsatz „Erst geben, dann nehmen“. Zeige zuerst, dass Du die Pflichten beherrschst, bevor Du auf Deine Rechte pochst. Und wenn Du Deine Rechte durchsetzen möchtest, dann bitte mit viel Feingefühl!