Home > Blog > Eintritt in eine neue Welt – Teil 1

2015_0731_Pflichten AzubisBald geht es für viele Schüler los: Die gewohnte Schulumgebung wird gegen die Berufswelt getauscht – aus Schülern werden Auszubildende. Dieser neue Lebensabschnitt ist eine große Herausforderung. Wir sagen Dir, was Du wissen solltest.

Für Dich sehr wichtig sind Deine Rechte und Pflichten. Du kannst dies auch als „Nehmen“ (= Rechte) und „Geben“ (= Pflichten) verstehen. „Geben kommt vor Nehmen“  besagt ein altes Sprichwort. Daher widmen wir unseren heutigen Beitrag dem Thema „Pflichten eines Auszubildenden“.

 

1. Lernpflicht

Du bist verpflichtet, den Lernstoff des Berufes so gut es Dir möglich ist, aufzunehmen. Erwartet wird von Dir auch, dass Du selbstständig lernst und den Berufsschulstoff nachbereitest. Du sollst Dich auf bevorstehende Kurzarbeiten und Schulaufgaben gut vorbereiten, Dich also um gute Noten bemühen. Für die Zwischen- und Abschlussprüfungen gilt das Gleiche: Lernen!

Wenn Du feststellst, dass Du z. B. Nachhilfebedarf hast, wende Dich frühzeitig an Deinen Ausbilder. Dieser wird mit Dir Lösungen erarbeiten, damit Du Deine Lernziele erreichen kannst. Du möchtest Dich nicht an Deinen Ausbilder wenden? Wir von BizTrain4U helfen Dir auch gerne – vertraulich, versteht sich!

Es ist egal, wohin Du Dich zuerst wendest. Wichtig ist nur, dass Du es tust!

 

2. Sorgfaltspflicht

Für Dich bedeutet es, dass Du Deine Aufgaben gewissenhaft und ordentlich erledigst. In der Berufsschule gilt das natürlich auch. Es gehört auch dazu, dass Du Dein Arbeitsumfeld (Büro, Werkstatt, Lager) nach erledigter Arbeit täglich aufräumst oder reinigst.

Oft erhältst Du auch Arbeits- und/oder Schutzkleidung oder andere Arbeitsmittel, z. B. Werkzeuge. Dafür übernimmst Du auch die Verantwortung, also behandle alles genauso pfleglich, als wären es Deine eigenen Sachen.

Zur Sorgfalt gehört das Beachten der Betriebsordnung. In der Betriebsordnung sind z. B. die Arbeits- und Pausenzeiten festgelegt, die Kleiderordnung oder Regelungen zum Arbeits-und Gesundheitsschutz festgelegt. Kurz gesagt: Die Betriebsordnung sind Verhaltensregeln für die Beschäftigten und sorgt für einen reibungslosen Arbeitsablauf.

 

3. Weisungsgebundenheit

two businessmen having discussion in office.Du bist an die Weisungen Deines Ausbilders bzw. Deines Vorgesetzten gebunden. Du erhältst Aufgaben und Anweisungen und bist verpflichtet, diese auch auszuführen. Allerdings hat alles seine Grenzen: Wenn Du ausbildungsfremde Tätigkeiten machen sollst, darfst Du diese auch verweigern.

Aber Vorsicht: Brotzeit holen oder Kaffee kochen können zwar ausbildungsfremd sein. Jedoch sind es Aufgaben, die ein soziales Miteinander fördern. Also bringe Dich hier ein, wenn Du Dich in das soziale Umfeld gerne mit eingliedern möchtest und nicht als „Außenseiter“ abgestempelt werden willst.

Ausbildungsfremd sind beispielsweise

  • Putzen des Bürotraktes, wenn Du Kaufmann/-frau für Büromanagement lernst.
  • Reinigung der Glasfassaden, wenn Du Fachlagerist/-in lernst.
  • Regelmäßige Autowäsche und –pflege für den Chef, wenn Du Industriekaufmann/-frau lernst.
  • Ständige (!!!) private Botengänge für den Vorgesetzten, wenn Du Steuerfachangestellte/r lernst.

(P.S.: In einem späteren Artikel zeigen wir Dir, wie Du vorgehst, wenn Du dennoch von ausbildungsfremden Tätigkeiten überhäuft wirst.)

 

4. Berichtsheft führen

Im Ausbildungsvertrag wird von einem „Ausbildungsnachweis“ gesprochen. Der Ausbildungsnachweis oder das Berichtsheft soll Deine praktische Ausbildung im Betrieb und die Theorie in der Berufsschule dokumentieren. Die für Deinen Beruf zuständige Kammer (z. B. Industrie- und Handelskammer) bietet Dir Muster für Tages- und Wochenberichte an.

Pflege in Deinem Interesse das Berichtsheft sorgfältig und notiere Deine Tätigkeiten möglichst genau. Das Berichtsheft ist eine der Zulassungsvoraussetzungen für die Abschussprüfungen. Dort musst Du es vorlegen und die Kommission prüft stichprobenartig, ob Dein Betrieb Dich auch ordnungsgemäß ausgebildet hat. Lies hierzu auch gerne unseren Artikel für Ausbilder vom 16.07.2015.

 

5. Geheimhaltungspflicht

envelope-264874_1280Ja, Du musst die betrieblichen Geheimnisse für Dich behalten! Dies gilt insbesondere für Erfindungen Deines Unternehmens, für Lohn- und Gehaltsdaten, über Daten von Kunden und Lieferanten sowie alle personenbezogenen Daten Deiner Kolleginnen und Kollegen.

Die Kündigung, die Dir dadurch droht, ist die eine Konsequenz. Schlimmer sind die drohenden Strafanzeigen und die Schadenersatzansprüche, die der Betrieb geltend machen kann.

Also sei vorsichtig, was Du zu Hause oder im Freundeskreis aus Deiner Firma erzählst!

 

6. Benachrichtigungspflicht

Du bist krank? Du kommst zu spät, weil die Bahn Probleme hat? Dann musst Du unverzüglich im Betrieb Bescheid geben.

Aber der Reihe nach:

Bei Krankheit bist Du verpflichtet, vor bzw. spätestens bei Arbeitsantritt Deinem Ausbildungsbetrieb Bescheid zu geben, dass Du erkrankt bist. Wenn Du also um 08:00 Uhr morgens Deinen Tag beginnst, musst Du spätestens um 08:00 Uhr im Betrieb anrufen. Wenn Du nach dem Arztbesuch weißt, wie lange Du arbeitsunfähig krank bist, informiere Deinen Betrieb auch hier telefonisch über die voraussichtliche Dauer Deiner Krankheit. Deine Krankmeldung musst Du in jedem Fall dann mit der Post abschicken oder abgeben (lassen), da diese spätestens am dritten Tag der Abwesenheit beim Betrieb vorliegen muss.

Zu spät dran – dafür gibt es viele Gründe. Du bist selbst verantwortlich, pünktlich im Betrieb zu sein. Und dennoch kann es vorkommen, dass Dir z. B. die Bahn einen Strich durch die Rechnung macht. Ruf‘ an und gib Bescheid, sobald Du merkst, Du schaffst es nicht mehr rechtzeitig. Das ist fair und erspart Dir jede Menge Ärger. Lies hierzu gerne auch unseren Blogbeitrag „Ein bisschen zu spät ist viel zu spät“.

Aber Achtung: Zu oft krank und häufig zu spät kommen gefällt keinem Ausbildungsbetrieb.

So, nun haben wir Dir einen Überblick über die wichtigsten Pflichten gegeben. Wenn Du Dich an diese Spielregeln hältst, kann ja schon nichts mehr schiefgehen!

In Teil 2 zeigen wir Dir Deine Rechte, also das „Nehmen“.