Home > Blog > Vorhang auf, Bühne frei! Für Dich im Fachgespräch!

Du hast die Einladung für Deine mündliche Prüfung, in den meisten kaufmännischen Berufen ein Fachgespräch oder eine Präsentation, erhalten und bist schon ganz aufgeregt. Klar, Du stehst ja an diesem Tag besonders im Rampenlicht: Vor Dir sitzen mehrere Prüfer, die Dein Wissen nun auf Praxistauglichkeit, also die sog. Transferleistung, beurteilen.

Transferleistung – was ist das denn?

2016_0112_Fachgespräch Teil 1 _ 4Es bedeutet, dass Du theoretisches Wissen in die Praxis umsetzen kannst bzw. anhand praktischer Beispiele erklären kannst. Es bedeutet also, dass Du die Lösungen für die vor Dir liegende Situationsaufgabe nicht einfach auswendig „vorbetest“, sondern wirklich mit Leben füllst.

Wie geht das?

Nehmen wir ein Situationsbeispiel:

Du bist Mitarbeiter in der Rechnungsabteilung und sollst angeben, wie Du die in der Anlage beigefügte Rechnung prüfst. In der Anlage geht es um eine Blumenrechnung mit z. B. Orchideen und Alpenveilchen.

Nun kannst Du schlicht und ergreifend die einzelnen Punkte zur „sachlichen und rechnerischen Rechnungsprüfung“ aufzählen, Du kannst aber auch die vor Dir liegende Rechnung nehmen und beispielhaft erklären: „Bei der sachliche Rechnungsprüfung kontrolliere ich, ob die Anzahl und die Art der bestellten und gelieferten Waren mit den Positionen auf der Rechnung übereinstimmen, hier z. B. ob tatsächlich 200 Alpenveilchen und 50 Orchideen geliefert und auch korrekt berechnet wurden. Weiter prüfe ich die gesetzlichen Rechnungsbestandteile wie …“

Du solltest dies aber vorher unbedingt üben, damit es auch in der Prüfung klappt. Besuche entsprechende Seminare, übe mit Deinem Ausbilder oder mit Klassenkameraden.

Detektivarbeit für Prüflinge

2016_0112_Fachgespräch Teil 1 _ 1In den Aufgabenstellungen für Fachgespräche sind oft noch viel mehr „Fragen“ versteckt, als bereits aufgelistet sind.

Nehmen wir eine einfache Fragestellung:

„Welche Unterlagen benötigen Sie zur Erstellung einer Rechnung?“

Die Antwort ist relativ kurz und knapp: Bestellung, Auftragsbestätigung, Lieferschein.

Schön, war’s das? Redezeit in etwa 10 Sekunden von insgesamt etwa 20 Minuten Prüfungszeit…

Gehe doch mehr auf das Wort „Rechnung“ ein. Dann könnte Eure Antwort so aussehen:

Eine Rechnung muss Umsatzsteuergesetz und Abgabenordnung bestimmte Inhalte wie z. B. …. aufweisen. Damit ich die Rechnung ordnungsgemäß erstellen kann, benötige ich als Unterlagen … Hier kann ich viele der geforderten Rechnungsinhalte bereits entnehmen, wie z. B. Liefer- und Rechnungsanschrift, Menge und Preis, …

Du erhöhst damit nicht nur Deine Redezeit, Du gibst auch Dein umfangreiches Wissen freiwillig preis (der Prüfer würde Dich mit Sicherheit später nach Bestandteilen einer ordnungsgemäßen Rechnung fragen). Das wirkt sich natürlich auch auf Deine Note aus, weil Du damit fachlich kompetent wirkst.

Kurzum: Aufgabe genau lesen und wie ein Detektiv nach Schlüsselwörtern suchen, die sich für Zusatzfragen eignen. Das erfordert jedoch etwas Übung 😉

Woah –der Wortschatz ist oft katastrophal!

2016_0112_Fachgespräch Teil 1 _ 3Ich habe an einem Prüfungstag einmal mitnotiert, welche und wieviel sog. „Kraftausdrücke“ fallen. Ich war erstaunt – und das nicht im positiven Sinne!

Ein paar sehr kuriose Beispiele:

„… dann kann ich ohne Angabe von Gründen kündigen, wenn mir der Sch…-Job nicht gefällt“ war die Antwort darauf, wie und wann in der Probezeit das Arbeitsverhältnis gekündigt werden kann.

Ein Mitarbeiter, der ständig zu spät kommt und daher abgemahnt werden soll, wurde als „Haubentaucher, der einfach zu deppert ist, den Wecker richtig zu stellen“ beschrieben.

„Die Bewerberin kann ja nicht grundsätzlich abgelehnt werden, nur weil sie wie eine Tussi aufgedonnert zum Bewerbungsgespräch kommt“ ist auch nicht gerade schmeichelhaft.

Eine Erklärung der sog. „Persönlichen Verteilzeit“ in der Kommissionierung lautete „wenn der Mitarbeiter auf dem Sch…häusl sitzt“.

Bitte, meine lieben Azubis, solche Ausdrücke gehören NICHT in das Fachgespräch mit Prüfern der IHK / HWK! Wenn Ihr auch im Alltag mit Freunden, in der Familie bestimmte Wörter schon zum „normalen“ Vokabular zählt, so solltet Ihr dennoch in der Prüfung auf Eure Wortwahl achten!

Das Gleiche gilt übrigens auch für Vorstellungsgespräche 😉 .. oder andere offizielle Gespräche…

Aktuelles macht Eindruck!

2016_0112_Fachgespräch Teil 1 _ 2Im mündlichen Fachgespräch gibt es in allen Berufen Fragestellungen, die man gut mit aktuellen Beispielen erklären oder umschreiben kann.

Ein Beispiel soll es verdeutlichen:

„Wie werden die ADSp (Allgemeine Deutsche Spediteurbedingungen) wirksam vereinbart?“

Dann kann Deine Antwort so aussehen:

„Lange Zeit konnten sich Verbände der Verlader und die Spediteure nicht auf neue ADSp einigen. Nun sind sie nur durch den Deutschen Speditions- und Logistikverband zur Anwendung empfohlen, die neuen ADSp 2016. Wirksam werden die ADSp…“

Oder ein anderes Beispiel:

„Erläutern Sie die Tarifvertragsparteien! Gehen Sie dabei auf die Aufgaben / Ziele der Parteien ein!“

Beispiele gibt es viele: Die Lokführer, die Erzieher und der Einzelhandel oder der lange Poststreik. Erläutere mit aktuellen Beispielen, wer die Arbeitnehmer und wer die Arbeitgeber vertritt. Erläutert, was beide Parteien für Ziele verfolgen und welche Aufgaben sie übernehmen.

Wichtig: Lass dabei sämtliche Emotionen aus dem Spiel. Keine persönliche Wertung beispielsweise, wenn Du öffentliche Verkehrsmittel nutzt und Dich die Verspätungen verärgern. Das wirkt unprofessionell!

Du wirst sehen, die Prüfer werden begeistert sein, wenn Du zeigst, dass Du up-to-date bist!

Kleiner Tipp: Lies die Zeitung oder abonniere über die Social Media Kanäle die Feeds großer Zeitschriften. Gemeint sind hier Portale wie Focus, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Wirtschaftswoche usw. Halte Dich bis zur mündlichen Prüfung über das aktuelle Wirtschaftsgeschehen auf dem Laufenden.

So, das war heute Teil 1 – der nächste Teil folgt die Tage! Bleib dran!

Du hast auch noch Tipps für Azubis? Diskutiere und kommentiere gerne!