Home > Blog > Vorhang auf, Bühne frei! Für Dich im Fachgespräch – Teil 2

So, in Teil 1 haben wir uns mit den ganzen inhaltlichen Aspekten beschäftigt. Heute zeigen wir Dir, wie Du souverän und gekonnt gegenüber den Prüfern auftrittst. Also los, die „Bühne“ wartet auf Dich!

„Bester Beweis einer guten Erziehung ist Pünktlichkeit“ (G. E. Lessing)

2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _1 UhrDann steht es um die Erziehung vieler Prüflinge ganz schlecht…

Ich erzähle Dir kurz aus meinem Alltag als Prüferin: Bei der letzten Abschlussprüfung schafften es doch tatsächlich einige Kandidaten, entweder eine „Punktlandung“ hinzulegen oder das sog. „akademische Viertel“ in Anspruch zu nehmen. Beides sehr schlecht…

Grundsätzlich gilt für die Prüfung die Regel: Wer zum Prüfungsstart (z. B. 08:30 Uhr) nicht da ist, darf nicht mehr daran teilnehmen. Es liegt dann ausschließlich im Ermessen des Prüfungsausschusses, diesen Prüfling zur Prüfung zuzulassen.
Natürlich kann es immer mal vorkommen, dass man im Stau steht, die Bahn verspätet ankommt oder man die Prüfungsörtlichkeiten nicht sofort findet.

Nun das große ABER unsererseits:

Informiere Dich rechtzeitig, WO die Prüfung stattfindet. Am besten, Du fährst schon vorher dort einmal hin und testest, wie viel Zeit Du brauchst, wie die Wege sind usw.

Mache Dich frühzeitig auf den Weg. Sei lieber eine halbe Stunde früher vor Ort, trinke noch in Ruhe einen Kaffee/Tee oder lies ein entspannendes Buch im Wartebereich (Deine Fachliteratur solltest Du jetzt nicht mehr dabei haben).

2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _2 NavigationWenn Du Zug fährst: Nimm eine oder zwei Bahnen früher. So hast Du einen ausreichenden Zeitpuffer, auch für’s Umsteigen, wenn nötig.

Also, denke dran: Pünktlich ankommen heißt, sich rechtzeitig auf den Weg zu machen!

Kleider machen Leute

Oh, was habe ich hier während meiner langjährigen Prüfer-Tätigkeit schon alles erlebt! Der Mini-Rock, der eher einem Schal glich als einem Rock oder die Bluse einer jungen Dame, die nicht nur zu eng sondern auch viel zu weit aufgeknöpft war. Dann war da noch das bauchfreie Oberteil mit Hotpants einer jungen Frau. Sehr modisch auch so manche Kopfbedeckung oder die Sonnenbrille im Raum.

Zerrissene Jeans mögen ja in Mode sein, für die Prüfung solltest Du ein anderes Outfit wählen. Auch ausgelatschte Schuhe gehören in die Freizeit. Oder die Jogginghose mit Flip-Flops – fand ich auch stark!

2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _3 KleidungDu siehst, es gibt nichts, was es nicht gibt. Für die meisten Berufe gibt es keine Kleiderordnung. Kleide Dich so, als würdest Du z. B. zu einer betrieblichen Feierlichkeit gehen: Hemd oder Bluse, Poloshirt geht auch, bei den Damen sehen TwinSets auch sehr schick aus. Jeans ist okay, wenn sie keine Löcher oder sonstige auffälligen Applikationen haben. Und die Schuhe: Bitte sauber

Wenn Du, wie beispielsweise in den Lagerberufen, Deine Arbeitskleidung bzw. mindestens Sicherheitsschuhe, tragen sollst, ist die Kleiderwahl ja einfach. Aber bitte: Frisch gewaschen sollte diese schon sein. Auch Prüfer haben empfindliche Nasen.

Bleiben wir gleich bei den Nasen:

2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _5 Shake HandsIm Moment ist wieder die Zeit der Schniefnasen. Grippeviren haben Hochkonjunktur. Gemäß einer Statistik der WHO werden 80 % aller Infektionskrankheiten über die Hände weitergegeben. Deswegen solltest Du auch auf einen Handschlag zur Begrüßung der Prüfer verzichten.

Die Stimme macht den Redner

Vielfach wird im mündlichen Fachgespräch die Wirkung der Stimme unterschätzt. Mit Deiner Stimme kannst Du jedoch die Prüfer motivieren, Dir gut zuzuhören oder sie „einschläfern“.

Denke einmal an die Nachrichtensprecher im Radio: Sie transportieren reine Sachinformationen, die möglichst ohne Emotionen bei den Zuhörern ankommen sollen. Eine besonders melodische Sprechweise wirst Du hier vermissen.
Und nun denke einmal an Moderatoren einer „Gute-Laune-Sendung“ im Radio: Sie reißen Dich mit ihrer Stimme mit, sie machen Stimmung mit der Stimme.

Beides sind natürlich jetzt völlig gegensätzliche Beispiele, die Dir jedoch zeigen sollen, dass Du mit Deiner Stimme im Fachgespräch „spielen“ kannst.

2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _6 RedenÜbe zu Hause einmal selbst:
• Wie laut oder leise sprichst Du?
• Wie schnell oder langsam sprichst Du?
• Wie deutlich sprichst Du die Wörter aus?

Nimm das Ganze ruhig auf und höre es Dir kritisch an. Sprich vor Freunden oder der Familien, die Dir Feedback über Deine Sprechweise geben.

Ein kleiner Tipp noch für ein entspanntes Sprechen:
Spanne den Bauch nicht unnatürlich an. Da klingt Deine Stimme sofort gequetscht und Dir geht im wahrsten Sinne des Wortes mitten im Satz die Luft aus. Allerdings solltest Du auch nicht ins Gegenteil verfallen und Dich völlig entspannen, so als lägest Du in Deiner Hängematte beim Chillen.

Probiere auch das aus und höre, wie sich Deine Stimme ändert.

Und lächle – auch ein Lächeln kann man hören 😉

Sprechdenken ist gefordert – was ist das denn?

Sprechdenken be2016_0115_Fachgespräch Teil 2 _4 Rededeutet, dass Du das, was Du gerade denkst, sofort aussprichst. Okay, es ist jetzt hier nicht damit gemeint, dass Du Deinem Gegenüber unverblümt die Meinung „geigst“, aber so in der Art darfst Du Dir das vorstellen.

Nur eben fachlich orientiert – zumindest jetzt in unserem Fall.

Für das Fachgespräch ist es wichtig, dass Du diese Fähigkeit gut beherrschst. Denn die Fragen von Prüfern erfordern von Dir spontane Antworten und Flexibilität im Denken.

Wie kannst Du es selbst üben?

Sprich über irgendein Thema oder einen Begriff, den Du zufällig liest, sofort los.
(Am besten vor dem Spiegel, dann kannst Du auch gleich Deine Körpersprache üben 😉 )

Bereite Dich darauf NICHT vor!

Nimm im Laufe der Zeit Stichpunkte aus Deinem Fachbereich her, z. B. „Kaufmännisches Mahnverfahren“ oder „Kosten der Lagerhaltung“ und rede los, ohne Dich darauf vorzubereiten.

Du kannst es auch aufnehmen und Dir später anhören. So erkennst Du auch, ob Du einen sog. „roten Faden“ (also eine Struktur) in Deiner Stegreifrede * hast.

Je öfter Du übst, umso besser wirst Du diese Technik beherrschen.

Viel Erfolg dabei!

Nun alles klar? Wir Ausbildungs-Experten wünschen Dir viel Glück und Erfolg „auf Deiner Bühne“.

 

(Stegreif: Ein veraltetes Wort, das früher „Steigbügel“ bedeutete, also „Steg“ und „Reif“. Heute ist es gebräuchlich in Redewendungen und bedeutet „aus dem Stand“. Im Übrigen wird es oft falsch geschrieben mit „H“ also „Stehgreif“. )