Home > Blog > Wenn ich kein Studium habe, bin und werde ich (beruflich) nichts…

… so denken leider viele junge Erwachsene. Dabei stimmt das so gar nicht. Es gibt viele Wege, seine Fähigkeiten und Potenziale richtig einzusetzen und kontinuierlich weiter auszubauen. Ein Studium ist dabei nur eine Möglichkeit, ein anderer Pfad führt über verschiedene Aufstiegsfortbildungen. Egal, welche Variante Du wählst: Der Weg ist das Ziel!

 

Duales Ausbildungssystem – eine gute Basis

Schon in der 8./9. Klasse sollst Du eine Entscheidung treffen, welchen Beruf Du erlernen möchtest. Die Auswahl an Berufen ist mittlerweile riesig, die Branchen vielfältig. Berufe von Eltern, Verwandten, Freunden und Bekannten spielen eine große Rolle und werden sehr oft in die Überlegungen mit einbezogen – oftmals ohne gründlich über die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Potenziale nachzudenken.

Duale Ausbildung bedeutet, dass Du im Betrieb die praktischen Fertigkeiten Deines Berufes erlernst und die Berufsschule das theoretische Wissen dafür mitgibt und Deine Allgemeinbildung erweitert. Was in einer Ausbildung wichtig ist, kannst Du in unserer Reihe „Eintritt in eine neue Welt, 1 – 3“ nachlesen.

Die Ausbildungsberufe sind mindestens zweijährig, einige Berufe sind nur in 3 oder 3 ½ Jahren erlernbar. Möglich ist jedoch eine Verkürzung der Ausbildungsdauer. Die Verkürzung hängt von Deinem Schulabschluss und von der Vereinbarung mit Deinem Ausbildungsbetrieb ab.

 

Ausbildung beendet – aber wo stehe ich jetzt?

2016_1009_dqr-stepsHast Du schon vom Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) gehört? Der DQR wurde entwickelt, um unser Bildungssystem für alle klarer zu gestalten: Für Lernende, für Berufseinsteiger und Profis, für Betriebe und Personalabteilungen. Der DQR wurde aber auch geschaffen, um unsere Bildungsabschlüsse international besser einordnen zu können. Der DQR ist die nationale Form des EQR, des Europäischen Qualifikationsrahmens.

Der DQR ist somit die Übersetzung des EQR: Stufe 1 des DQR = Stufe 1 des EQR.

Mit einer mindestens zweijährigen Ausbildung (z. B. Verkäufer/-in, Fachlagerist/-in, Fachkraft im Gastgewerbe) wirst Du im DQR in der Stufe 3 eingeordnet. Das Niveau 3 bedeutet, dass Du Kompetenzen erworben hast, „die zur selbständigen Erfüllung fachlicher Anforderungen in einem noch überschaubaren und zum Teil offen strukturierten Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden“ *. Du verfügst über ein erweitertes allgemeines Wissen und/oder erweitertes Fachwissen in Deinem Bereich.

Du hast Dich für einen mindestens dreijährigen Beruf entschieden? Beispielsweise Fachkraft für Lagerlogistik, Kaufmann/-frau für Groß- und Außenhandel oder Industriemechaniker/-in? Bravo! Dann hast Du das Niveau 4 des DQR erreicht. Diese Stufe umfasst beschreibt Kompetenzen, „die zur selbständigen Planung und Bearbeitung fachlicher Aufgabenstellungen in einem umfassenden, sich verändernden Lernbereich oder beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden“ *. Du verfügst über vertieftes allgemeines Wissen und/oder fachtheoretisches Wissen in Deinem beruflichen Tätigkeitsfeld.

 

Die Stufenausbildung

Stufenausbildung bedeutet, dass Du zunächst mit einem zweijährigen Ausbildungsberuf durchstartest. So hast Du nach erfolgreichem Abschluss etwas in der Hand, das Dir keiner mehr nehmen kann: Eine abgeschlossene Ausbildung.

Wenn Du während dieser Zeit merkst, dass doch mehr in Dir steckt und Du weitermachen möchtest, kannst Du das 3. Lehrjahr „dranhängen“ und die nächste Stufe erreichen. Du erreichst damit einen um eine Stufe im DQR höheren Berufsabschluss.

Diese Stufenausbildung ist jedoch nicht für alle Berufe durchgängig vorhanden. Informiere Dich vorher, welche Berufsgruppen Stufenausbildungen ermöglichen. Beispiele sind vom Fachlageristen (m/w) zur Fachkraft für Lagerlogistik (m/w) oder vom Verkäufer (m/w) zum Kaufmann im Einzelhandel (m/w) oder Fachkraft für Metalltechnik (m/w) zum Industriemechaniker (m/w).

 

Meister, Fachwirt und Fachkaufmann überspringen gleich einmal eine Stufe

board-1097118_1280Die Ausbildung ist vorbei, es steckt jedoch noch mehr in Dir: Nun sind die Abschlüsse Meister, Fachwirt oder Fachkaufmann möglich.

Mit einem erfolgreich abgeschlossenen Ausbildungsberuf und einer gewissen Anzahl an Berufsjahren kannst Du die Zulassung zur Meister-, Fachwirt- oder Fachkaufmannprüfung (m/w) erlangen.

Der DQR Stufe 6 umfasst „Kompetenzen die zur Planung, Bearbeitung und Auswertung von umfassenden fachlichen Aufgaben- und Problemstellungen sowie zur eigenverantwortlichen Steuerung von Prozessen in Teilbereichen eines wissenschaftlichen Faches oder in einem beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden. Die Anforderungsstruktur ist durch Komplexität und häufige Veränderungen gekennzeichnet“ *.

Dir wird mit erfolgreich abgelegter Prüfung bescheinigt, dass Du über breites, integriertes Wissen und über ein breites Spektrum an Methoden zur Bearbeitung komplexer Aufgabenstellungen verfügst.

Du fragst Dich sicherlich schon die ganze Zeit, warum ich Dir diesen Weg so genau erkläre, obwohl Du ihn (teilweise) bestimmt schon kennst?

 

Und nun – die Auflösung 🙂

Dein Abschluss als Meister (m/w), Fachwirt (m/w) oder Fachkaufmann (m/w) ist im DQR gleichgestellt mit den Hochschulabschlüssen „Bachelor“ oder „Diplom (FH)“. Das war lange Jahre nicht klar geregelt, seit dem 01.01.2013 besteht nur Klarheit und Gleichstellung der Abschlüsse.

Kurz gesagt: Dein auf diesem Weg erreichter Abschluss als Meister, Fachwirt oder Fachkaufmann (m/w) ist einem Bachelor-Hochschulabschluss gleichgestellt!

 

Noch eine Stufe gefällig?

2015_02_titelbild-treppeKlar, mach weiter, wenn Du Spaß am Lernen hast! Beispielsweise kannst Du mit dem Abschluss „Geprüfter Betriebswirt“ das Niveau 7 des DQR erreichen. Damit bist Du gleichgestellt mit den Hochschulabschlüssen „Master“ und „Diplom (Univ.)“ und dem „Staatsexamen“.

Darüber hinaus geht’s jetzt nur noch mit der Doktor-Arbeit J Dann wäre das höchste Niveau des DQR, die Stufe 8 erreicht.

Wenn Du mehr über den DQR lesen möchtest, besuche doch diese Website:  www.dqr.de

Du siehst, es lohnt sich durchaus, den Weg über die Duale Berufsausbildung einzuschlagen. Vor allem hast Du den meisten Fachhochschul- und Hochschulabsolventen eines Voraus: Sehr, sehr viel Praxiserfahrung. Und die ist für den Großteil der Betriebe Gold wert…

 

P.S.:  Ich habe gerade eine Idee – ich schreibe in einem meiner nächsten Beiträge über Stärken und Fähigkeiten und welche Berufe denn dazu passen können. Was meinst Du dazu? Ich freue mich über Deine Anregungen!

 

* Quelle:  Website des Bundesministerium für Bildung „Der Deutsche Qualifikationsrahmen“, www.dqr.de